Eine Weinreise durch Malopolska – Polens Aufbruch mit Solaris
Vom Stillstand zum Aufbruch
Während des Kommunismus kam der Weinbau in Polen nahezu zum Erliegen. Wein galt als nicht systemrelevant, ja beinahe als unpassend im sozialistischen Alltag. Private Weingüter verschwanden, kleine Betriebe wurden in staatliche Strukturen überführt, und statt Vielfalt und Qualität dominierte die reine Massenproduktion. Wein war kein Genussmittel, sondern ein funktionales Produkt zur Versorgung.
Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild. Noch 2009 zählte man in ganz Polen gerade einmal drei Weingüter – inzwischen sind es über 700. Eine Entwicklung, die auch uns von genussreisen.ch neugierig gemacht hat. Ausgangspunkt unserer Reise war Krakau – eine der spannendsten Städte Europas, die sich ideal mit einer Entdeckung der Malopolska Weinregion verbinden lässt.
Krakau: Wein, Genuss und Geschichte
Krakau selbst begeistert nicht nur mit Geschichte, sondern auch mit einer lebendigen Genuss-Szene. Besonders im jüdischen Viertel Kazimierz finden sich trendige Weinbars, kreative Restaurants und eine Atmosphäre, die Tradition und Moderne auf faszinierende Weise verbindet.
Die Małopolska Weinroute
Entlang der Małopolska Weinroute tauchten wir in diese junge, dynamische Weinszene ein. Gleich zu Beginn besuchten wir mit Winnica Chodorowa ein typisches Beispiel für die neue Generation polnischer Winzer. Bei lokalen Käsespezialitäten wurde schnell klar: Hier entstehen authentische Weine mit klarer Handschrift. Am Abend erwartete uns in der Winnica Gródek nicht nur eine Degustation, sondern auch ein stimmiges Dinner – ein gelungener Abschluss eines intensiven Weintages.
Doch die Reise bot mehr als nur Wein. Ein Besuch im historischen Salzbergwerk von Bochnia – einem der ältesten Europas – eröffnete faszinierende Einblicke in die Geschichte der Region. Ebenso eindrücklich war der Abstecher zum Schloss Nowy Wiśnicz sowie zur kleinen Ortschaft Lipnica Murowana mit ihrer einzigartigen Holzarchitektur.
In Tarnów, einer der schönsten Städte Südpolens, erlebten wir eine charmante Altstadt, lebendige Geschichte und kulinarische Vielfalt. Hier verbindet sich Kultur auf angenehme Weise mit regionalem Genuss.
Polens Weine - eine Herausforderung
Zurück zum Wein: Das polnische Klima bleibt anspruchsvoll. Deshalb setzen viele Winzer auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten, sogenannte PIWI. Im Weissweinbereich dominieren Aurora, Bianca, Hibernal und insbesondere Solaris – eine Sorte, die sich hervorragend an die lokalen Bedingungen angepasst hat. Bei den Rotweinen spielen Regent und Maréchal Foch eine zentrale Rolle.
Bei der Winnica Uroczysko wurde nicht nur der Wein zum Erlebnis, sondern auch die Lage: Der Blick über das weite Tal und den Fluss darunter verleiht der Degustation eine besondere Atmosphäre. Hier zeigt sich eindrücklich, wie eng Natur und Weinbau in dieser Region miteinander verbunden sind.
Forellenessen im Ojców-Nationalpark
Ein weiterer Höhepunkt war die Natur selbst: Im Ojców-Nationalpark, der kleinsten Nationalpark Polens, kombinierten wir eine leichte Wanderung durch eine eindrucksvolle Karstlandschaft mit einem kulinarischen Stopp – frische Forelle, direkt vor Ort zubereitet. Ein einfaches, aber authentisches Erlebnis, das perfekt zur Region passt.
Polen im Aufbruch – ein junges Weinland voller Geschichten
Wer in Polen grosse Weingüter oder architektonische Inszenierungen erwartet, wird überrascht sein. Die meisten Betriebe sind klein, oft familiengeführt und direkt am Wohnhaus angesiedelt. Häufig wird auf einer Fläche von kaum mehr als einer Hektare gearbeitet, der Keller funktional und schlicht.
Und doch liegt genau darin der Reiz. Denn was diesen Weingütern an Glamour fehlt, machen sie mit Herzlichkeit und Authentizität mehr als wett. Bei jeder Degustation standen Käse, Fleisch und Brot auf dem Tisch – und vor allem Geschichten. Geschichten von Quereinsteigern, von Leidenschaft und vom Mut, in einem jungen Weinland neue Wege zu gehen.
Man spürt es überall: Polen ist ein Weinland im Aufbruch. Eines, das noch experimentiert, sich entwickelt – und gerade deshalb so spannend ist.
Ein Erfahrungsbericht von Simon Felix.
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