Navarra steht oft im Schatten des Baskenlands und von La Rioja. Zu Unrecht, wie ich auf meiner Genussreise im September erlebt habe. Auf kleinem Raum liegen hier grüne Bergwälder, Weinberge, Olivenhaine und eine Halbwüste, die Hollywood längst entdeckt hat. Und überall wartet etwas Gutes auf dem Teller und im Glas.
Ein Reisebericht von Simon Felix (genussreisen.ch)
Pamplona: Altstadtcharme und die besten Pinchos Navarras
Die Hauptstadt Navarras kennt die Welt vor allem durch die Stierläufe von San Fermín, die Ernest Hemingway berühmt gemacht hat. Doch Pamplona ist weit mehr: eine kompakte, lebendige Altstadt hinter gut erhaltenen Stadtmauern, wie geschaffen, um sie zu Fuss zu entdecken. Die gotische Kathedrale Santa María la Real mit ihrem prachtvollen Kreuzgang, das barocke Rathaus, von dessen Balkon jedes Jahr am 6. Juli das Fest eröffnet wird, und die Calle Estafeta, die berühmteste Strecke des Encierro, liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt. An der Plaza del Castillo lädt das Café Iruña, einst Hemingways Stammlokal, zum Verweilen ein, und die sternförmige Zitadelle mit ihren Parks ist eine grüne Oase mitten in der Stadt.
Pamplona ist der ideale Ausgangspunkt für eine Genussreise durch Navarra. Zum Auftakt gab es im Restaurant Hazia Berri traditionelle navarresische Küche mit modernem Dreh. Danach ging es in die Altstadt, wo sich rund um die Calle Estafeta und die Calle San Nicolás eine Bar an die nächste reiht. Das Ritual ist einfach: ein Pincho, ein Glas, weiterziehen. Pflichtstopp ist die Vermutería Río in der Calle San Nicolás, 2025 als beste Pinchobar von Baskenland und Navarra ausgezeichnet. Seit 1963 dreht sich hier alles um den Frito de Huevo: ein halbes gekochtes Ei, umhüllt von Béchamel und in hauchdünner Tempura frittiert. Ein Zähler an der Bar zeigt, wie oft er schon über die Theke ging, inzwischen fast zwei Millionen Mal. Dazu gehört ein Wermut vom Fass. Und wer weiterzieht, findet Chistorra, die würzige Wurst der Region, oder gefüllte Piquillos. Zum Abschluss ein Pacharán, der Schlehenlikör Navarras.
Der grüne Norden: Talo, Hexen und Schokolade
In der historischen Mühle von Amaiur folgte auf die Besichtigung der Genuss: frische Talos, die Maisfladen der bäuerlichen Küche, dazu herber Cider aus der Region. Das mittelalterliche Dorf gilt als letzte Bastion des alten Königreichs Navarra. Weiter ging es nach Zugarramurdi, berühmt für seine Hexengeschichten und die eindrücklichen, vom Wasser geformten Höhlen.
Mittags kehrten wir in der Donamariako Benta in Donamaria ein. Der Guide Michelin zeichnet sie mit dem Bib Gourmand aus, für exzellente Küche zu fairen Preisen, und genau das bekamen wir: regionale Produkte und Rezepte, die seit Generationen weitergegeben werden.
Am Abend erwartete uns das Arantza Hotel: ein aussergewöhnliches Designhotel mitten in der Natur, klein, herzlich und sehr persönlich geführt. Hier stellten wir unter Anleitung von Juan Mari Iriarte unsere eigenen Schokoladentafeln her. Der Pâtissier hat mit Ekhi Gold die erste Praline der Welt erfunden, die vollständig mit Gold von 22,5 Karat überzogen ist: ein essbares Schmuckstück, in dem Goldschmiedekunst und Chocolatierhandwerk verschmelzen. Mit welcher Präzision und Leidenschaft er arbeitet, durften wir an diesem Abend aus nächster Nähe erleben.
Mittelnavarra: Jakobsweg, Fässer und Käse
Über die romanische Brücke von Puente la Reina ziehen seit Jahrhunderten Pilger auf dem Jakobsweg. Bei Baku Barrikupel bekommen ausgediente Weinfässer ein zweites Leben als Designobjekte. Mittags im Asador der Bodegas Lezaun, einem historischen Familienweingut mit biologischem Anbau, passten die eigenen Weine perfekt zur saisonalen Küche. Krönender Abschluss war die Biokäserei Axuribeltz, wo wir nach einem Blick hinter die Kulissen die handwerklich hergestellten Käse verkosteten.
La Ribera: Filmkulissen, Olivenöl und der Gemüsegarten Navarras
Die Bardenas Reales, ein Biosphärenreservat der UNESCO, wirken wie eine Filmkulisse, und sie sind eine: Hier ritten die Dothraki in Game of Thrones, auch Szenen des James Bond Films «Die Welt ist nicht genug» entstanden in dieser Halbwüste.
Danach wartete die Ölmühle Hacienda Queiles. Ihr Olivenöl Abbae de Queiles zählt zu den besten der Welt und wurde 2025 vom Internationalen Olivenrat mit einem der begehrten Mario Solinas Preise ausgezeichnet. Mittags kochte Spitzenkoch Pedro Larumbe für uns auf dem Weingut Pago de Cirsus. Die Ribera ist bekannt für Spargel, Artischocken und Piquillos, und genau das schmeckt man auf dem Teller.
Zum Schluss führte uns Reyna de Copas durch das mittelalterliche Olite mit seinem märchenhaften Königspalast.
Im Glas: die Weine Navarras
Navarra ist ein Weinland mit Charakter. Berühmt ist die Region für ihre Rosados aus Garnacha, frisch und fruchtig, die perfekten Begleiter zu Pinchos. Daneben überzeugen kräftige Rotweine aus Tempranillo und Garnacha, oft ergänzt durch Cabernet Sauvignon oder Merlot.
Bei Bodegas Lezaun zeigte sich, wie gut biologischer Anbau und Tradition zusammenpassen. Auf Pago de Cirsus begleiteten die hauseigenen Weine das Menü von Pedro Larumbe, und in Olite, dem Herzen der Weinregion, schloss sich der Kreis. Mein Tipp: In jeder Pinchobar nach einem Glas aus der Region fragen. Die Auswahl ist gross, die Preise sind erfreulich.
Mein Fazit
Navarra ist Genuss ohne Show: ehrlich, regional und getragen von Menschen, die ihre Traditionen mit Leidenschaft weiterentwickeln. Wer gerne isst, trinkt und dabei Neues entdeckt, ist hier genau richtig.