Toulouse: Die rosa Stadt mit allen Sinnen
Die Reise beginnt dort, wo Okzitanien am lebendigsten ist: in Toulouse. Auf einem kulinarischen Stadtrundgang starten wir in der Markthalle mit einem herzhaften Willkommensapéro: Charcuterie, Käse und Wein aus der Region. Gleich gegenüber wartet bei Criollo Chocolatier ein Schokoladentasting, das selbst Schweizer Gaumen beeindruckt. Danach degustieren wir im Laden von Alexis Taoufiq, der als einer der besten Barkeeper Frankreichs gilt. Seine Cocktails gibt es fixfertig gemixt aus der Flasche, und die Qualität überrascht. Spätestens jetzt ist klar: Diese Stadt versteht man am besten mit Gabel und Glas.
Am Nachmittag zeigt uns eine Führerin die Geheimnisse der «Ville Rose»: das Capitole mit seinen acht rosa Marmorsäulen und der prunkvollen Salle des Illustres, das Jakobinerkloster mit seinen berühmten Palmgewölben und die romanische Basilika Saint‑Sernin, eine wichtige Station auf dem Jakobsweg.
Cahors: Eine Brücke, ein Fluss, ein Wein
Am Abend erreichen wir Cahors, eingebettet in eine Flussschleife des Lot. Der Pont Valentré aus dem 14. Jahrhundert gehört mit seinen drei Wehrtürmen zum UNESCO Welterbe. Im Restaurant Tandem klingt der Tag mit moderner, regional verwurzelter Küche aus.
Am nächsten Morgen zuckeln wir mit dem kleinen Touristenzug durch die Altstadt mit der Kathedrale Saint‑Étienne, bevor sich alles um den Wein dreht. Auf Château Lagrézette wird seit 1503 gekeltert. Der Keller liegt heute tief im Hügel und arbeitet über drei Ebenen allein mit der Schwerkraft; in der «Kinderstube» ruhen fast 500 Barriques im Dunkeln.
Mein persönliches Highlight ist Château Chambert in Floressas. Besitzer Philippe Lejeune führt uns selbst durch sein Château, und im Gespräch mit ihm spürt man, dass hier nicht einfach Wein gemacht, sondern eine Haltung gelebt wird. Der gesamte Rebberg auf 300 Metern Höhe wird biodynamisch bewirtschaftet. Ein Hingucker sind die violetten Betongärtanks, die er im Burgund beschafft hat; für ihre Montage musste eigens das Dach geöffnet werden. Das hauseigene Restaurant L'Holodeck trägt neu einen Michelin‑Stern.
Nach einem Panoramahalt in Puy‑l'Évêque folgt Château de Mercuès, einst Sitz der Grafen‑Bischöfe von Cahors, heute ein Relais & Châteaux mit spektakulärem Felsenkeller.
Gaillac: Die Toskana Okzitaniens
Im Tarn übernachten wir auf dem Château de Salettes, einem eleganten Anwesen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert mitten in den Reben.
Am Morgen bringt uns ein kleiner Zug hinauf nach Cordes‑sur‑Ciel, das auf seinem Hügel tatsächlich die Wolken zu berühren scheint. Unsere Führerin lenkt den Blick auf ein Detail, an dem man sonst achtlos vorbeigeht: die Tierfiguren an den gotischen Fassaden, die weit mehr sind als blosser Schmuck und viel über ihre einstigen Bewohner erzählen. Im Museum von Yves Thuriès staunen wir über Kunstwerke ganz aus Zucker und Schokolade und degustieren den lokalen Croquant. Thuriès trägt gleich zweimal den Titel «Meilleur Ouvrier de France», die höchste Auszeichnung für Handwerker in Frankreich, die nach einem anspruchsvollen nationalen Wettbewerb verliehen wird. In Castelnau‑de‑Montmiral, einem der schönsten Dörfer Frankreichs, schlendern wir unter den Arkaden und kehren in der Auberge des Arcades ein.
Zum Schluss wird es sportlich: Beim Winzerrätsel auf der Domaine Carcenac lösen wir in Teams knifflige Aufgaben rund um Rebe und Keller. Mein Dreierteam holt den Sieg, die Siegerfeier findet standesgemäss bei einer Degustation statt.
Fazit
Okzitanien ist eine Region für Geniesser, die gerne etwas mehr wissen wollen. Hier wird Wein nicht einfach getrunken, sondern mit Geschichte, Landschaft und Küche erzählt. Und wer einmal einen Cahors am Ort seiner Herkunft probiert hat, sieht den Malbec mit anderen Augen.